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Luther aufs Maul geschaut

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Er war, so würde man wohl heute formulieren, thematisch breit aufgestellt. Martin Luther äußerte sich ebenso selbstverständlich über die Ehe, über Frauen und das Stillen wie über Politik, Musik und natürlich auch die Kirche. Was der Reformator vor rund 500 Jahren formulierte, war manchmal derb, mitunter humorvoll, oft alltagsnah, häufig aber auch irritierend despektierlich. „Unkraut wächst schnell, daher wachsen die Mädchen rascher als die Knaben“. „Jedermann schneidet gern die Bretter da, wo sie am dünnsten sind; man bohrt nicht gern durch dicke Bretter“. Oder: „Es ist die größte Torheit, mit vielen Worten nichts zu sagen“.Im Rahmen des Reformationsjahres wollen wir uns im Deutschlandradio Kultur dem Menschen Martin Luther auch über seine Zitate nähern. Wobei nicht bei allen Sprüchen gesichert ist, dass sie wirklich aus seinem Mund stammen. Aber sie werden ihm zugeschrieben, weil sie charakteristisch für ihn scheinen. Was nicht heißt, dass diese Sprüche den „ganzen Luther“ abbilden würden. Er hielt es für wichtig, „dem Volk aufs Maul (zu) schauen“. Wir drehen den Spieß um und wollen „Luther aufs Maul schauen“. Dafür haben wir Prominente aus Kultur, Politik, Religion und Wissenschaft befragt, was sie über Luthers Sprüche heute denken.

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„Ich komme aus einem exotischen Land, Frankreich. Das hat nichts mit Deutschland zu tun. Der Rhein ist eine riesige Grenze. Bei uns ist die Musik Vergnügen, Unterhaltung und Akustik. Können wir daher sagen, dass wir nichts mit Luther zu tun hätten? Doch, das haben wir. Weil Kultur heißt, andere Kultur besser zu lernen, besser zu verstehen, besser zu lieben. Und durch diesen permanenten Austausch, das permanente Lernen, können wir verschiedene Kulturen in uns selbst konfrontieren. Dadurch wird unser Leben reicher.“

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„Das ist ja ein Spruch. Ich als Jüdin, wenn ich so einen Satz höre, bekomme ich sofort wieder Gänsehaut und kann von Glück reden, wenn es nur darum geht, ein Kreuz zu schlagen und nicht ans Kreuz. Ich habe ja das Gefühl, dass der Luther kein wirklicher Sympathieträger war, so als Typ. Mag er auch viel erfunden haben, also ich bin froh, dass ich ihn nicht kennengelernt habe. Und diese Hetze, die finde ich sowieso, egal von welcher Religion zu welcher Religion, nicht zu ertragen. Aber ein ganzes Lutherjahr steht vor uns, Halleluja.“

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„Ich würde zunächst bei der Frage Gott anfangen. Nun hat ja Gott im Laufe der letzten hundert Jahre sein Gesicht gewandelt. Für manche ist es noch der Bärtige. Und mit den Erfindungen und Entdeckungen dieser Welt versuchen ja viele, diese Welterkundung immer noch mit der Religion zusammen zu bringen und das Bild Gottes zu verändern. Aber ich glaube schon, dass in diesem Spruch sehr viel Richtiges liegt. Und zwar, wenn man sich auf den Weg macht, diese Welt zu erkennen, dann wird man sehen, dass die Prächtigkeit und die wahnsinnige innere Logik, die alles zusammenhält, dass die natürlich etwas ist, wo man eigentlich voller Demut in die Knie gehen muss. Trotzdem, und das ist kein Trotzdem, was negativ gemeint ist, sondern es ist ein tiefer innerer Wunsch, auch einen Beitrag zu leisten in diesem Sinn. Deswegen denke ich, dass der Mensch immer wieder versuchen wird, seinen Beitrag zu leisten. Das geht manchmal nach hinten los, weil er dann über das Ziel hinausschießt. Und deswegen sind wir Pfuscher. Aber ich glaube, wir können es nicht lassen. Und wenn es irgendetwas wie Gott gibt, dann hat er uns diese Idee ja auch in den Kopf gesetzt, Pfuscher zu sein, also müssen wir weitermachen.“ 

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„Für mich ein ziemlich ungewöhnlicher Spruch, ich hätte nicht gedacht, dass Luther so etwas sagt. Weil, ich assoziiere mit dem Protestantismus immer so eine verkrampfte Arbeitsmoral. Und mit dem Katholizismus eigentlich eher dieses Reinhauen, feiern wollen, sich besaufen, und die Bude wackelt und danach gehen wir mal schön beichten. Es freut mich sehr, dass Luther das gesagt hat, denn ich selber bin auch sehr für das Feiern, sehr für das Genießen, für das Ausgelassen sein. Um dann aber auch wieder seine Pflichten zu tun. Da hat der Luther mal Recht, hat er ja nicht immer.“

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„Das ist ein Satz, der strotzt vor Weisheit. Im Laufe meiner mittlerweile ein paar Jahre andauernden Karriere, habe ich ein paar Leute getroffen, die sehr, sehr erfolgreich waren. Einige von ihnen waren sehr, sehr reich. Und im wesentlichen habe ich festgestellt, dass wenn viele dieser Menschen aufeinandertreffen, dass sich ordentlich verglichen wird miteinander. Das ist mitunter lustig, manchmal aber auch befremdlich gewesen. Ich glaube, die Weisheit ist diesen Menschen tatsächlich manchmal ein bisschen verschlossen. Wenn man sich weniger miteinander vergleicht und tatsächlich das, was man hat ganz gut findet, dann ist man auf der Linie von Quincy Jones gelandet, der sagt: ,Du musst dich erst einmal selber lieben, du musst wissen wer du bist, und dann musst du dich lieben so wie du bist.‘ Dann kannst du auch jemanden anders lieben.“

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„Ein Satz, den man durchaus auch in der wilhelminischen Ära als gesellschaftliches Gesetz akzeptiert hat. Und man muss, wenn man sich ein wenig mit Luther vertraut macht und mit seiner Zeit, muss man sagen, dass er alles andere als ein revolutionärer Mensch war. Er hat eigentlich nichts anderes gewollt, als das alles wie es geregelt ist, auch bleibt. Die zehn Gebote sind nun mal nur von ihm ins Deutsche übersetzt worden. Aber daran ist nichts geändert worden. Also seine Auffassung ist das, was wir heute als konservativ bezeichnen. Für mich ist dieser Gedanke, die Frau gehört an den Herd, und der Mann muss hinaus ins feindliche Leben, das ist für mich zwischen Glocke und AfD anzusiedeln. Und darum weiß ich nicht, ob sämtliche Luthersprüche auch Kalendersprüche sein müssen. Also mein Kalender richtet sich danach nicht.“

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„Meine Verwandtschaft, die wohnte zum größten Teil in Wittenberg, die haben sich in der Ecke da verteilt. Und dadurch, dass ich sie öfter besucht habe, war Luther schon in meiner Kindheit immer ein Thema. Und wenn meine Oma gesagt hat: ‚Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket‘, dann habe ich mich kaputt gelacht, weil rülpsen, furzen, also alles, was Kinder lustig finden, ist in diesem Spruch vereint. Und es macht auch Sinn. Klar, wenn man rülpst und pupst, dann scheint man ja lecker gegessen zu haben. Die Verse fand ich immer cool. Und vielleicht hat mich das auch unbewusst zum Hip-Hop gebracht, zum Rap. So würde ich fast schon sagen, dass Martin Luther auch ein Vorreiter des Reimes gewesen ist, des fetten Reimes mit Sinn.“

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„In meinem Bekanntenkreis zumindest ist es so, dass die Männer deutlich die Wehleidigeren sind. Luther mag viele Stärken gehabt haben, das Frauenbild war jetzt nicht unbedingt seine ganz große Stärke. Heute müsste man eigentlich sagen: Im Trübsal soll man weiblich sein. Also damit vernünftig umgehen, damit nach vorne schauen. Gerade in einer Zeit, in der, ja ich möchte fast sagen, ein aggressives Selbstmitleid dieses Land in weiten Bereichen auch auszeichnet, was mich persönlich sehr ärgert, wo es auch eine Partei gibt, die sich das fast auf die Fahne geschrieben hat, ist es eigentlich ein schöner Satz zu sagen; guck doch mal, wie kannst du erst einmal selbst damit umgehen, wie kannst du selbst damit klarkommen. Wobei, und da schließt sich der Kreis, wenn man wirklich echten Trübsal hat, echte Probleme, dann muss auch Zeit für das Trauern, für das Jammern da sein. Und da sollte sich niemand dessen schämen. Und wenn man wirklich dieses Trübsal hat, würde ich persönlich sagen, ruhig heulen, ruhig jammern. Aber möglichst nur mit denen, die das auch aushalten können.“

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„Mit diesem Spruch hat Luther recht, ja er hat recht. Bei aller Augenblicksversessenheit heute ist es schon so, dass man eigentlich in Gedanken immer zwei, drei Schritte voraus ist. Manchmal geht mir das so, dass ich denke, was kommt denn heute noch, was liegt denn jetzt noch an. Jetzt habe ich den Termin, jetzt habe ich den Termin, und dann ist es getaktet, auch der Freiraum ist getaktet. Ich habe auch eine ganze Weile gedacht, überall ist es besser, überall da, wo ich nicht bin. Das ist natürlich ein totaler Quatsch. Da wo ich bin, ist es gerade gut. Da bin ich auch aus freier Entscheidung. Und genauso ist es natürlich auch mit der Zeit. Es gibt keine andere Zeit als diese, die ich habe. Das aber zu erkennen, braucht auch wieder Zeit. Also, da ist Luther in sehr einfachen klaren Worten sehr modern. Bravo!“

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„Dieser Satz von Martin Luther ist schon sehr die protestantische Askese und die Genussfeindlichkeit, die dem Protestantismus, wie ich denke auch zu Recht, oft unterstellt wird. Askese und Fleiß gelten also als gottgewollte Lebensformen. Nun ist das aber besonders ironisch, weil Luther selbst ja durchaus ein Genussmensch gewesen ist, der offenbar auch gut beleibt war und leidenschaftlich gerne gut aß und trank. Und er hat eben nicht nur Askese propagiert, sondern auch den wunderbaren Satz gesagt: 'Darf unser Gott gute und große Hecht auch guten Rheinwein schaffen, so darf ich sie wohl auch essen und trinken.' Und das stimmt ja dann auch wieder etwas versöhnlich.“

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„Ich finde in diesem Satz gibt es einen Widerspruch. Also feiern und dienen, in meinen Ohren klingt das wie ein Paradox. Die Feier ist ja eigentlich die Zeit, in der man sich befreit hat von allen Fesseln, von der Fron und vom Dienst. Aber heute würde ich den Satz vielleicht anders formulieren. Wenn ich den Luther da recht verstehe meint er, dass man während der Feier, für den Dienst, ich würde jetzt mal das Wort Gott durch Geist ersetzen, für den Dienst am Geist belohnt wird. Ich beziehe das jetzt mal auf meinen Beruf. Wenn ich eine neue Rolle bekomme, muss ich mich vorbereiten und suche dann an diesen Arbeitstagen nach dem Kern dieser Figur und der Rolle. Ich versuche herauszufinden was er denkt, was er beabsichtigt, wovon er träumt, wie er sich bewegt. Und oft ist es eben so, dass es eine große Arbeit ist. Aber die Muse ist keusch und zickig, und die zeigt sich dann während ich ruhe. Also wenn ich am Sonntag dann gar nicht an die Arbeit denke, ist plötzlich die Figur da. So würde ich es formulieren: Der Geist belohnt die Arbeit am Tag der Ruhe.“

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„Ich war vor Kurzem in Korfu, bin mit dem Auto über die Landstraßen gefahren und da musste ich plötzlich bremsen, hinter mir war eine Schlange von Autos, das war nicht ungefährlich. Und dann war da auf der Straße eine Schildkröte. Ich bin dann ausgestiegen und habe die Schildkröte sozusagen gerettet. Ich hab sie dann in eine Wiese gesetzt und das war irgendwie ein Anhalten der Geschwindigkeit. Dieses Erlebnis mit der Schildkröte, auch die Langsamkeit der Schildkröte, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass in der Langsamkeit die große Kraft liegt. Und wenn man auf die Details achtet, also das bezieht sich ja auch auf die Kunst, auf Malerei, Musik, Schauspielerei, nur dadurch, durch die Betrachtung des Details, kann man als Künstler etwas Ganzes, etwas Größeres schaffen.“

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„Ein sehr interessanter Spruch, denn für mich stimmt er. Meine Frau, meine jetzige Frau, ist der beste Gefährte fürs Leben. In meinem früheren Leben war das nicht der Fall. Außerdem ist es besonders interessant, dass man sich überlegt, gut, ist dem auch so für einen schwulen Mann? Wäre ich jetzt schwul, würde ich diesen Satz auch sagen? Ich glaube nicht. Dann würde natürlich gelten: Ein Mann ist der beste Gefährte fürs Leben. Dann gibt es aber auch so viele miese Frauen, die gibt es leider. Ja, in diesem Fall würde ich aber eher sagen: Der Hund ist der beste Gefährte fürs Leben. Also, ein sehr witziger und interessanter Spruch, den ich für mich aber im jetzigen Moment absolut unterschreiben kann.“

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„Dieser Spruch hat natürlich Luthers wunderbare scharfsichtige Gnadenlosigkeit. Er hat nicht mehr ganz recht, weil die Lebenserwartung ein bisschen länger geworden ist. Also ich bin ja jetzt 41, dieser Spruch betrifft mich ja sehr. Man hat eigentlich um das 40. Jahr herum ein klareres Bild davon, wer man selber ist. Mit den Stärken, mit den Schwächen, wie man dahin gekommen ist, wie man sich entwickelt hat. Man sucht nicht mehr. Das ist auch das Problem. Deswegen werden viele Leute auch ab 40 so unglaublich schrullig. Weil sie nicht mehr an sich arbeiten, sondern sich selber ihre Seltsamkeiten erlauben und zulassen. Das ist auch eine Gefahr. Ich hoffe, dass ich jetzt als Autor das erreicht habe, was man später mal das Stadium der Reife nennen wird. Also wenn man später mal auf mein Werk zurückschauen wird, wird man vielleicht sagen, bis dahin hat er sich entwickelt. Und dann kommt leider das Stadium der Senilität und das Stadium der Schwäche und des Nachlassens. Also ich glaube, der Spruch stimmt zur Hälfte und zur anderen Hälfte stimmt er hoffentlich nicht ganz. Dahin ist das Leben noch nicht.“

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„Großen Respekt, dass er die vermufften Katholiken aufgemischt hat und dass er unfassbare Reformen angestoßen hat. Und auch die Religion auf ein rationaleres Konzept gestellt hat. Die Bibel übersetzt hat, dass man sie lesen kann. Das ist alles unberührt. Aber dieser Satz über die Juden und seine Einstellung zu den Juden, das muss auch thematisiert werden. Und das muss man auch heute kritisieren. Weil, das ist ja nicht ein Einzelfall, sondern das hat sich ja durch die Jahrhunderte hingezogen, das die Juden von allen Leuten und Religionen immer diskriminiert werden. Dies führte ja auch zur Apokalypse im Dritten Reich. Das führte zum Holocaust. Also, da hatte Martin Luther erstens nicht Recht und zweitens sollte man das auch sagen, bei allem Respekt, was er sonst gemacht hat.“

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„Vor diesem Satz stehend fällt mir der Luther selber ein. Mit seinen Thesen, die er an eine Kirchentür geschlagen hat. Ein weiteres Wunder ist die Schönheit unserer Welt. Und ein sehr wichtiges Wunder für mich ist die Freiheit, die wir Deutsche genießen und die wir zu verteidigen haben.“

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„Ja, ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass in Tieren viel mehr zu finden ist als wir bereit sind, in ihnen zu sehen. An wirklich großen und positiven Charaktereigenschaften, wie Liebe, Zuneigung, Treue, absolute Loyalität und Hingabe. Das habe ich immer wieder bei Tieren gefunden. Ja, wie Luther sagt, die Menschen suchen sie bei Tieren gar nicht. Ich glaube sogar, dass die Menschen bewusst negieren, dass Tiere solche Eigenschaften haben. Denn in dem Moment, in dem wir Tieren positive Eigenschaften zugestehen, werden sie ja immer mehr zu dem, was sie ja eigentlich sind; nämlich ein Mitgeschöpf. Und dann haben wir ein großes Problem. In der Art wie wir mit Tieren umgehen. Wie wir sie für unsere Zwecke ausbeuten, benutzen, töten und foltern. Und ihr Recht auf Leben, aber auch ihr Recht auf artgerechtes Leben, immer wieder mit Füßen treten.“

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„Ich bekam den Deutschen Filmpreis. Das ist eine große Ehre und da ist mir klar, dass das wegen einer guten Leistung war. Aber ich weiß als Schauspieler natürlich auch, dass ich jeden Moment mit einer neuen Rolle auf die Nase fallen kann. Also formt es mich und spornt mich an und verleitete mich nicht zu überheblichen Gedanken. Für mich ist das eine große Verantwortung, um der Sache gerecht zu werden. Also die Ehren, die ich erfuhr, denen musste ich dann auch gerecht werden. Und wehe den Leuten, die das vergessen und dann abschweifen und dann sagen, ach das klappt schon alles, läuft alles von selbst. Die verplempern sich im Leben und denen steigt das zu Kopf, und die können dann, nach Luther, zu Tyrannen werden, also charakterlich. Aber ich glaube, das ist beides, das ist zwiespältig. Ehren können sehr zum Nutzen sein, und sie können sehr fatal sein.“

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„Ich meine, diese Aussage trifft natürlich heute noch genauso zu. Sie besagt ja letztlich, dass man zu den Fehlern stehe soll, appelliert an Geradlinigkeit, an Ehrlichkeit. Das ist vielleicht in der Formulierung etwas überzogen. Verteidigen ist teuflisch, verteidigen ist natürlich auch menschlich. Aber wenn man sich klarmacht, das Zeitalter der Reformation, die Ehrlichkeit, die man wieder in das Christliche, in den Reliquienhandel, in die ganzen Rituale hineinbringen konnte, dann ist es für ihn schon sehr zeitbezogen. Aber auch wenn es in seiner Zeit und für Luther ein ganz zentraler Gedanke war, gilt das für den Menschen, wann immer er lebt, durch alle Zeiten hindurch.“

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„Das Beste vom Menschen vergeht mit der Trunkenheit? Da frage ich mich zuerst, was ist denn das Beste vom Menschen? Wer weiß denn das von sich, von dem anderen? Wenn man sich Ballermannsituationen vorstellt, dann mag der Satz stimmen. Aber ich möchte dem Luther-Satz einen Satz von Schiller entgegenstellen, den lässt er einen General im Wallenstein sagen, nämlich: ‚Der Wein erfindet nichts, er schwatzt's nur aus.‘ Ich finde dieser Satz ist allgemein gültiger, weil er alles zulässt. Denn es gibt so viele Kunstwerke, die aus dem Rausch heraus entstanden sind. Das ist das Beste, was die Künstler zum Teil gemacht haben. Insofern widerspreche ich Luther vehement mit Schiller. Ist ja auch etwas Tröstliches.“

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„Ja, dieser Spruch ist ganz wahr. Denn ich habe das auch am eigenem Leib gespürt, dass mich Musik aufbaut, dass mich Musik mit Energie versorgt, dass sie mich auch glücklich machen kann. Ich weiß es auch von vielen anderen Menschen. Ich bekam einmal eine E-Mail geschickt, das ist eine sehr tragische Geschichte, von einer Frau, die eine sehr schwere Erkrankung hatte, die unheilbar war und die vier kleine Kinder hatte. Und diese Frau hat mir geschrieben, das sie die geistliche Chormusik von Heinrich Schütz täglich gehört hatte und wie sehr ihr das geholfen hat. Und das ist für mich der Beweis, dass dieser Spruch der Wahrheit entspricht.“

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„Ich selbst bin ein leidenschaftlicher Jurist seit 40 Jahren und ich meine, der Satz ist ganz richtig. Er sagt nämlich eines: wenn einer nur Jurist ist und wenn er nicht auf der Suche nach der Gerechtigkeit ist, dann ist er ein böser Christ. Ein guter Christ kann verzeihen, ein guter Christ kann verstehen, und ein böser Jurist kann beides nicht. Also hat Martin Luther diesmal jedenfalls Recht, und das sage ich als Katholik. Also ich will es an einem Beispiel deutlich machen das durch die Presse gegangen ist. Einer Familie in Berlin entläuft der Dackel, andere Leuten finden ihn, nehmen ihn auf, nehmen ihn nach München und haben ihn zwei Jahre. Nun entdecken die Berliner den Dackel und sagen, wir wollen ihn wieder haben. Und die Eltern, die ihn in München sozusagen zwei Jahre gepflegt haben, die sagen, eigentlich gehört er uns. Die Rechtslage ist völlig klar, der Dackel muss herausgegeben werden, er ist im Eigentum der Berliner. Aber man muss doch mal verstehen, dass jemand, der zwei Jahre mit einem Dackel gelebt hat, noch dazu mit zwei Kindern, die in den Dackel verliebt sind, auch ein Recht hat. Und da muss man eine Lösung suchen.“

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„In der Tat ist das ein Spruch, der mir nicht zum ersten Mal viel bedeutet. Ich denke, dass er zu meinem eigenen Leben, aber auch zum meinem Berufsleben dazugehört. Ich habe mich immer wieder Situationen ausgesetzt, die mich eigentlich total überfordert haben, bei denen ich nie wusste, was eigentlich dabei herauskommt. Solche Situationen haben mich mein ganzes Leben lang begleitet. Und ich glaube, das war nicht das Schlechteste. Also wenn mich etwas überzeugt, dann kann ich nicht anders. Aber ich weiß, dass ich nicht so weitermachen kann. Und jetzt war es so, dass ich als Direktor des Victoria and Albert Museums, wirklich ein Haus, das ich liebe, Mitarbeiter, die ich schätze, mit einer Stadt, die ich gern auch in Zukunft meine Heimatstadt nennen würde, dass ich diese Arbeit verlassen habe, weil ich einfach glaube, dass wir momentan anderes machen müssen. Nicht jeder, es geht nur um mich, aufgrund der politischen Situation, die wir gerade haben. Und die Tatsache, nette Ausstellungen weiter zu machen, finde ich extrem wichtig. Aber ich habe momentan nicht so richtig die Kraft dazu. Dann müsste man eher, ich weiß nicht wie man das formulieren soll, Hardcore-Ausstellungen machen, um zu zeigen, wo es momentan lang geht und was passiert.“

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„Ich habe vier Töchter. Da kommt auch dieser Spruch sehr schön in Frage. Ich habe meinen Töchtern gesagt, dass sie mit Unkraut verglichen werden und sie gefragt, was ist denn mit euch los? Und da hat die Jüngste gesagt: ,Was ist denn das für ein Arschloch, der redet ja wie im Mittelalter.‘ Und mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen.“

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„Luthers großer prophetischer Anteil daran war, dass er den Menschen vor 500 Jahren schon verstanden hat, eine zeitlose Beschreibung des Menschen. Jeder Mensch will dünne Bretter bohren. Der große Unterschied zum Sprachgebrauch heute ist, glaube ich, dass wir heute damit nicht nur eine Beschreibung verwenden, sondern der Dünnbrettbohrer, das ist immer auch gleich wertend gemeint. Der Dünnbrettbohrer ist der rückgratlose, weicheiartige Arschlochmann, möchte ich sagen. Ich glaube aber, so hat es Luther aber gar nicht gemeint, Luther meinte es ganz neutral. Die Menschen sind eben so. Wir sagen es aber durchaus wertend. Es gibt ja sogar diesen Song. 80er, 90er Jahre, Stoppok könnte die Band heißen. Der geht ja etwa so (singt): ,Dumpfbacke! Dünnbrettbohrer! Dumpfbacke! Dünnbrettbohrer! Dumpfbacke, Dünnbrettbohrer! Weichei! abführn!‘ Oder so in der Art. Will sagen, Luther wurde vertont, das konnte er nicht wissen. Also ich ziehe meinen Hut vor Luther. Chapeau, Martin.“

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„Im ersten Augenblick ist man ja doch voller Auflehnung weil man sagt, also den Menschen kann es ja gar nicht gut genug gehen, da muss man nicht sparsam sein mit den Dingen, die ihm gut tun. Wenn man dann einen Schritt zurücktritt merkt man, dass es eher darum geht, wie bewusst man mit den Dingen umgeht. Luther hat das ja in einer Tischrede gesagt. Und in dem Bewusstsein dessen was man eigentlich hat, ob das jetzt zwei Beine sind oder zwei Arme. Wenn man nur einen hätte, würde man das ganz anders schätzen, diese beiden Arme. Und psychologisch gesehen finde ich, ist das etwas, das auf jeden Fall in unseren Tagen zutrifft. Letztlich nämlich so eine Selbstbescheidung. Anders ist so ein glückliches Leben wohl auch nicht zu machen. Für mich spielt das eine immer größere Rolle, dass man sich dessen bewusst ist, wie man lebt. Und der Gedanke, dass dir immer weniger vom Leben bleibt. Und das erhöht schon die Aufmerksamkeit, die Bewusstheit.“

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„Das habe ich sinngemäß immer, vor allen Dingen in letzter Zeit, versucht denjenigen deutlich zu machen, die zum Beispiel die Kollegen von Charlie Hebdo überfallen haben. Die Demokratie hat den Rechtsstaat als Grundlage, was denn sonst. Da kann man, wenn man sich verletzt fühlt, ein Gericht anrufen, wenn man sich zum Beispiel beleidigt fühlt. Aber niemand hat das Recht Gewalt auszuüben. Das Recht, wie man so schön sagt, in die eigenen Hände und damit auch noch in die gewalttätigen Hände zu nehmen, dieses Recht hat niemand, und das zeichnet Demokratie und Rechtsstaat ja gerade aus. Insofern ist das ein schönes Zitat: Gewalt ist etwas, aber Recht ist etwas anderes.“

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„Zu diesem wunderbaren Spruch, und wenn ihn Luther gesagt hat, muss er ja wunderbar sein, fällt mir der ebenfalls in Wittenberg lebende Friedrich Schorlemmer ein. Für mich wäre es der neue Bundespräsident, das würde ich mir wünschen. Der hat zu diesem Satz gesagt, und das finde ich wunderbar: 'Das Lachen ist die letzte Waffe der Hoffnung.' Und deswegen ist Fröhlichkeit so wichtig gegen den Teufel.“

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„Das finde ich ein sehr gutes und starkes Bild. Es ist irgendwie auch sehr komisch natürlich. Ich meine, wer will schon Ratten im Keller haben? Da müssen die Verwandten schon ziemlich schrecklich sein, die man sich da vorstellt. Wenn man aber Familie hat, kann man sich sofort solche Verwandte vorstellen. Und es ist praktisch wie ein Hilferuf, wenn diese Verwandten zu irgendwelchen Festen, Weihnachten oder Ostern kommen. Davor hatten wir Kinder einen Horror, wir mochten das gar nicht. Erwachsene versuchen ja immer mit Kindern klarzukommen. Und das ist ja noch eine Generation, die liegt schon ein bisschen weiter zurück. Heute ist das ja anders, heute weiß man ja, wie man mit Kindern umgehen soll. Aber damals wusste man das nicht, da wollte man sich einschleimen bei den Kindern. Natürlich gab es auch ein wenig Geld. Das war natürlich auch nicht schlecht. Aber dann haben wir uns zurückgezogen in unsere Kinderzimmer und dachten, wann geht der Fluch vorüber?“

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„Toller Satz, Hut ab Herr Luther. Weil es stimmt. Wenn ich auf der Bühne bin und plötzlich kommt eine Stimme in meinen Kopf, auf Deutsch natürlich, und sagt Dinge wie: Es geht nicht, ich kann nicht. Durch Selbstzweifel kann man einfach nicht weitermachen. Und diese Zweifel, sobald man denkt, was ist wenn? Ich finde das ist Sünde. Weil wir haben dieses Geschenk, wir haben diese Möglichkeiten, wir haben dieses Leben, wir haben diesen Moment. Ja, es ist sehr amerikanisch, es ist sehr optimistisch. Sünde und ewiger Tod, das ist ein bisschen deutsch. Wenn man aber ja sagt, positiv bleibt und immer wieder dankbar für das Geschenk des Lebens ist und sagt: Ok, ich bin hier ein Werkzeug, was kann ich machen, wie kann ich helfen? Das ist eine gute Botschaft heutzutage.“

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„Also dieser Spruch ist natürlich fast schon auf mich gemünzt, der ich von Geburt an sofort in ein Säuglingskinderheim kam. Dann in ein Vorschulkinderheim nach Nienhagen und dann in ein Schulkinderheim, aus dem ich dann durch eine Lehrerfamilie adoptiert wurde, aber auch da habe ich es nur knapp vier Jahre ausgehalten. Also dieser Satz führt mich direkt in meine Heimzeit zurück. Dort gab es keine direkte brutale Gewalt. Ich habe im Heim erfahren, dass es eine ganz subtile, ganz hinterfotzige Art und Weise von Gewalt- und Grausamkeitsausübungen gibt. Die dann soweit geht, dass ich immer das Gefühl hatte, die Heimleiter wollen einfach nicht, dass wir größer werden als das Heim, sondern dass wir klein und hilflos bleiben. Es wirkt wirklich bis in mein höchstes Alter, ich bin jetzt 60 hinein, dass mich eine bestimmte Art und Weise immer wieder aufregt. Zum Beispiel wenn ich sehe, dass an Leuten gegen ihren Willen etwas ausgeübt wird.“

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„Für mich ist das ein ganz typischer Martin-Luther-Spruch, weil er in einem Satz ganz viele, finde ich, spannende Sachen sagt. Also erst einmal sagt er, dass man über alles predigen darf. Das heißt, nicht nur über religiöse Fragen im engeren Sinne, sondern auch über menschliche und politische Dinge. Aber wenn man dann predigt, dann soll man die Leute nicht langweilen dabei, dann soll man doch bitte so flott dabei sein und nur 40 Minuten predigen. Gut, heutzutage würde man sagen, 40 Minuten sind viel zu lang. Aber früher, in der Zeit von Martin Luther, da haben die Predigten Stunden gedauert. Aber was ich vielleicht noch viel, viel spannender bei dem Spruch von Martin Luther finde ist, dass er auf eine der Kernbotschaften verweist, weil er ja letztendlich die Pfarrer, das heißt, die professionellen Glaubensverkünder mit diesem Spruch auch einengt. Das heißt, nicht mehr die Pfarrer allein sind diejenigen, die das Wort Gottes verkünden, sondern jeder, jeder Gläubige darf das. Das fand ich immer das Spannendste an Martin Luther und vielleicht sogar das Spannendste an der Reformation.“

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„Was hat der für eine Lebenserfahrung gemacht, der Mann? Er hat offenbar mit schlechten Juristen Umgang gehabt. Denn natürlich will ein Jurist Geld verdienen, und manche verdienen es auch auf etwas anrüchige Weise. Ich habe nicht unbedingt zur Ergötzung studiert. Das Studium war für mich nicht so wichtig. Aber dann, die Juristerei an sich, der Umgang mit dem Recht, mit den Menschen und Konfliktsituationen, dass man seine Kenntnisse einsetzen konnte, um Menschen zu helfen, zu ihrem Recht zu verhelfen, das ist eine Sache gewesen, die das Leben bereichert hat. Also dieser Spruch von Luther zählt überhaupt nicht. Und Luther ist aus meiner Sicht mit großer Vorsicht zu genießen. Luther hat Eigenschaften und Einfluss gehabt auf eine Weise, die unser Land nicht positiv geprägt haben. Luther hat den Deutschen, ganz hart formuliert, nicht unbedingt gut getan.“

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„Luther drückt etwas aus, was die Deutschen schon immer empfunden haben, bis heute, ein Stückchen Minderwertigkeitsgefühl. Dass sie sich schwächer fühlen als die anderen. Das hat mit der deutschen Teilung zu tun und damit, dass wir ab 1871 ein zu spät gekommener Nationalstaat geworden sind. Und wenn ich mir die Populisten von heute anschaue, ist das immer aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus, dass sie sich aufblasen müssen. Das sagte Luther so nicht. Aber es sind bestimmte Kräfte, die uns in den Nationalismus hineinführen wollen. Es ist immer dieselbe Geschichte, die mir Sorgen macht. Es zeigt, dass wir Deutschen endlich zur Ruhe kommen sollten. Und wenn ich es sagen kann, ich bevorzuge zu diesem Satz einen anderen: Liebe dein Vaterland und achte das deines Nachbarn.“

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„Zunächst einmal war Martin Luther ein ganz außergewöhnlicher Mann, mit einem enormen Einfluss auf die Welt, selbst heute noch, nach 500 Jahren. Mein Vater war protestantischer Pfarrer und ich bin mit ihm nach Wittenberg gefahren. Er war 89 und diese Reise, letztes Jahr, hat ihm unglaublich viel bedeutet. Ich glaube heute erkennen wir wieder wie weise und genial Martin Luther war. Dass Geld niemanden glücklich macht, diesem Spruch würden sicher nicht alle zustimmen. Ich bin überzeugt, dass es Menschen gibt, die sehr wohl glücklich mit ihrem Geld sind. Was Luther meint, geht tiefer. Er meint, dass man wahres Glück nicht mit Geld kaufen kann. Wahre Freude entsteht durch Liebe, durch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die wir haben, durch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, etwas, das anderen Menschen hilft. Und die reichen Menschen, die ich kenne, fühlen sich am besten, wenn sie ihren Wohlstand für einen guten Zweck nutzen können.“

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„Ich mag dieses Wort so, weil Luther damit deutlich macht, der Wichtigste bin nicht ich. Sondern die, denen ich etwas sagen will. Ich habe eine Botschaft für euch. Das kann Kritik sein, das kann Lob sein. Aber das alles hat keinen Sinn, wenn ihr mich nicht versteht. Also muss ich es, weil ich von euch nicht verlangen kann, dass ihr alle Griechisch, Lateinisch oder Hebräisch lernt, auf Deutsch sagen. Und das ist meiner Meinung nach revolutionär gewesen. Und Gesellschaft und Politiker versagen immer dann, wenn sie ihre Fachsprache benutzen. Fremdworte über die Maßen benutzen, obwohl es deutsche Worte gibt, die es für uns Deutsche viel genauer, viel treffender formulieren. Bloß weil man offensichtlich dem anderen zeigen will, was man doch für ein gebildetes Stück ist. Kommt ein bisschen runter, redet das, was alle auch verstehen können. Dann werdet ihr Zustimmung finden, dann werdet ihr Nachfolger und Mitstreiter finden.“

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„In der Tat glaube ich, dass Luthers Aussage grundsätzlich richtig ist und daher auch zeitgemäß. Der Beruf erhielt ja nicht zuletzt durch die von ihm angestoßene Reformationsbewegung eine eigene, neue Wertigkeit. Luther hat damals die weltliche Betätigung der geistlichen Berufung gleichgesetzt. Man spricht ja heute noch bei geistlichen Tätigkeiten von einer Berufung, aber tatsächlich im Weltlichen längst auch von Beruf, das geht auf Luther zurück. Und wichtig war Luther hier, glaube ich, dass es weniger darum ging, was zu tun sei, als darum, dass man es gut tut, seine Aufgaben gut erledigt. Also es geht um nichts weniger als eine Art Berufsethos. Und natürlich sollen wir die Aufgaben meistern, die uns das Leben stellt, also auch das Amt ausfüllen, das uns gegeben wurde, auch eine Art Pflicht erfüllen, die man von uns erwartet. Und das gilt in besonderem Maße für Politiker.“

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„Ja der Spruch zu den Frauen, das ist natürlich ein starkes Stück. Ich finde ehrlich gesagt auch die Begründung abenteuerlich. Das die Frau häuslich sein soll, weil sozusagen ihr Gesäß und die weiten Hüften dazu einlüden, still zu sitzen. Erstens: Hausarbeit ist kein Stillsitzen, da hat er völlig falsche Vorstellungen. Da rennst du die ganze Zeit herum, und Frauen sind viel herumgerannt. Also wir sehen, Luther war ein großer Mann, aber in mancher Hinsicht, zum Beispiel auch was die Stellung der Frauen betrifft, braucht er unbedingt noch meinen Feminismus. Aber den gab es, glaube ich, in seiner Zeit noch nicht. Hier irrt Luther deshalb, aber ich würde mal sagen, er irrt zeitgemäß.“

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„Ich begegne immer wieder Menschen, die gern etwas anderes sein möchten. Oder glauben, dass auf der anderen Seite das Gras ein bisschen grüner ist. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Ich freue mich über die Eigenschaften, die Talente, die der Herrgott mir gegeben hat, sehr wohl wissend, dass andere Menschen andere Eigenschaften und Talente haben. Und ich möchte auch nicht jemand anderes sein, sondern versuche, mit dem was mir der Herrgott mitgegeben hat, das Beste zu machen. Und diese Einstellung versuche ich auch meinen Freunden, meinen Familienangehörigen, Kindern und Enkeln immer wieder mitzugeben. Das verschafft Zufriedenheit, aber auch die Kraft mit diesen Talenten so umzugehen, dass sie nicht verkommen.“

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„Das klingt sehr pessimistisch nach dem Motto: Wir haben immer nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber es gibt manchmal solche Situationen, die Luther zu Recht beschrieben hat, das man abzuwägen hat. Ein anderer großer Denker, auch von protestantischer Idee geprägt, Max Weber, hat das den Unterschied zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik genannt. Es gibt Situationen, wo wir uns im Leben oder auch in der Politik zu entscheiden haben. Und dann muss man erkennen, was sind kleinere Übel, die man auf sich nehmen muss. Das ist im Bundestag mit Händen und Füßen zu greifen gewesen, zum Beispiel in bestimmten Fragen der internationalen Politik. Ich wurde als junger Abgeordneter gefragt, ob ich einem bewaffneten Einsatz der Bundeswehr im Kosovo zustimme? Wissend, dass man Menschen in Lebensgefahr bringt, dass man Schuld auch auf sich lädt. Aber das andere Übel, die größere Alternative des Übels war damals zuzugucken, wie ein Diktator weiter Menschen massakriert. Ich glaube, dass Luther vielleicht nicht solche Situationen im Blick haben konnte, aber ein gutes Gespür dafür hatte, dass das eben auch zum Leben gehört. Deshalb ist Luthers Satz lebensnah.“

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„Diese Haltung hat zum 1. Weltkrieg geführt, hat zum 2. Weltkrieg geführt, hat dazu geführt, dass die Revolution von 1848 in die Hose gegangen ist und hat dazu geführt, dass auch die Revolution von 1919 in die Hose gegangen ist. Geduldig leben und sich um nichts kümmern, oder jedenfalls nicht aufzufallen, was dasselbe wäre, das alles zusammen beinhaltet dieser Satz für mich. Und deswegen kann ich nur sagen: Nein Martin. Da hätte er besser mal darüber nachgedacht, ob das die Antwort ist, die wir brauchen, um diese Welt zu erhalten, menschlich zu erhalten, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu überwinden, mit der wir es schon wieder zu tun haben. Und wie können wir das? Indem wir geduldig leben? Oder müssen wir Widerstand leisten gegen das, was Menschen anderen Menschen antun? Nur mit Gottes Willen ist es jedenfalls leider nicht geschehen.“

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„Arbeit ist für den sozialen Zusammenhalt der Menschen außerordentlich wichtig. Arbeit ist mehr als nur Erwerbsverdienst. Arbeit entscheidet über Lebenschancen, über kulturellen Zugang. Arbeit bedeutet, dass auch gesellschaftlicher Wohlstand geschaffen wird, der dann auch Müßiggang durchaus ermöglichen kann. Allerdings würde ich an einer Stelle einen deutlichen Widerspruch formulieren. An Arbeit sind viel zu viele Menschen gestorben. Erinnert sei an die schrecklichen Unglücke vor drei Jahren in Bangladesch in einer Textilfabrik, über 1200 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Weil Arbeit auch im 21. Jahrhundert in vielen Teilen dieser Erde so organisiert ist, dass es immer noch Ausbeutung bedeutet, dass Arbeit regelrecht lebensgefährlich sein kann.“

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„Wir Menschen neigen dazu, einen Mangel und die Knappheit als Belastung und Einschränkung zu empfinden. Deswegen fordern wir auch gern mehr von allem. Mehr Lebenszeit, mehr Gehalt, mehr Freizeit , mehr Sicherheit, mehr Anerkennung. Wir verkennen damit aber, ohne die Erfahrung des Mangels hätte unser Leben gar keinen Sinn. Die Knappheit an Gütern, Mitteln, Möglichkeiten und letztlich auch an Lebenszeit, fordert uns heraus, zwischen den Alternativen zu entscheiden. Sollen wir dies oder jenes tun, dies oder das nehmen, diesen oder einen anderen Weg gehen. Wir müssen wählen und entscheiden, uns anstrengen und Gedanken machen, das ist Freiheit. Das gibt unserem Leben einen Sinn. Und deshalb konnte Martin Luther zu Recht sagen: Nur wer sich entscheidet, existiert.“

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„Martin Luther hat Recht, bis heute hat dieser Spruch eine große Weisheit. In Kindern liegt unsere Zukunft, und Kinder sind auch der Reichtum einer Gesellschaft. Konkret für unsere Zeit heißt das zu erkennen, dass es für unsere gesellschaftspolitische Herausforderung nicht die Verteilung von Vermögen und Einkommen ist, sondern die unfaire Verteilung von Chancen am Beginn des Lebens. Die Bildungspolitik, dass muss die neue Herausforderung, das „Mondfahrtprojekt“ unserer Gesellschaft sein, jedes Kind mit seinen Talenten zum Klingen zu bringen. Wir dürfen nicht mehr erlauben, dass 100.000 junge Menschen in jedem Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen; denn was haben sie für eine Lebensperspektive? Und damit das gelingt, werden wir einfach moderner denken müssen und mit digitalen Inhalten und Methoden unser Bildungssystem modernisieren. Und wir müssen einen Bildungsföderalismus überwinden, der der Lebenslüge anhängt, das Baden-Württemberg im Wettbewerb mit Mecklenburg-Vorpommern stünde, dabei steht Deutschland in einem Wettbewerb mit Nordamerika und China. Der Bildungsföderalismus ist heute nicht mehr Teil der Lösung, sondern er ist selber zum Problem geworden. Daran müssen wir arbeiten.“

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„Weil Luther ein wortmächtiger, sprachenmächtiger Mann ist, will ich ihm widersprechen. Im Grunde steckt darin ja: Sorge nicht für morgen, es ist wie es ist und finde dich damit ab. Ich kannte einen alten Berliner, Karl Richter, und von dem stammt der Spruch und an den habe ich gedacht, als ich jetzt von Luther gelesen habe, der hat gesagt als ich ihn gefragt habe, was ist das Entscheidende im Leben? Da hat er gesagt: Du musst das Leben nehmen wie es ist, aber du darfst es nicht so lassen. Das Leben nehmen wie es ist, ist in dem Luther-Wort auch drin. Aber nicht die Revolte, es nicht so lassen wie es ist. Das es zum Beispiel Demokratie gibt, das ist nicht allein entstanden. Oder dass es den Sozialstaat gibt, das ist nicht von allein entstanden. Und auch, dass es in den letzten 70 Jahren in Europa Frieden gab, das ist auch nicht von allein entstanden. Und deshalb glaube ich, dass diese Verantwortung betont werden muss. Wissend, dass man nicht allmächtig ist. Es wird uns nie so gelingen, dass die Welt perfekt ist. Aber sie kann besser sein als sie ist, und das ist die Mitverantwortung von uns Menschen.“

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„Also ich finde, dass der Spruch eine hohe Aktualität hat. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir Politikverdrossenheit bei den Bürgern und auch immer wieder Amtsmüdigkeit von Politikern verspüren. Erinnert sei an die letzten Bundespräsidenten, dabei denke ich aber nicht an Herrn Gauck. Es gibt ja auch immer wieder Phasen, wo sich Bürgerinnen und Bürger fragen, ist der oder die des Amtes gerecht? Und an dieser Frage wird auch klar, dass ein Amt eine hohe Verantwortung hat, so sehe ich es zumindest für mich selbst. Aber es ist auch nicht selbsterfüllend. Ich mach den Job nicht wegen des Amtes, sondern weil ich politische Prozesse voranbringen will. Und damit ist auch eine hohe Verantwortung verbunden, gerade denen gegenüber, die mich gewählt haben. Ich selbst war Anfang 40 als ich gefragt wurde, Ministerin zu werden. Ich hatte keine lange Bedenkzeit, hatte hohen Respekt. Das ist vielleicht auch gut, dass man nicht sagt, das mache ich mit links. Es ist aber auch eine Herausforderung mit dem Druck umzugehen, der von außen kommt, bei einem solchen Amt. Diese Herausforderung muss man auch annehmen, sie darf einen nicht erdrücken, oder so viel Respekt einflößen, dass man sich nicht mehr bewegen kann. Sondern man sollte dabei zielführend bleiben und seinen eigenen Kopf und seine eigene Figur behalten, das ist ganz wichtig.“

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„Mir fällt natürlich zu diesem Satz von Luther ziemlich viel ein. Mir fällt vor allem ein, wie lang diese Logik ein Kompass dafür war, zu sagen: Kinder, Küche, Kirche für die Frauen. In seiner Zeit lag Luther natürlich weit vorn, weil er die Frau überhaupt als eigenständiges Wesen, als Subjekt auch mit Verantwortung wahrgenommen hat. Aber er beschreibt dann die geschlechtsspezifische Trennung der Verantwortungen. Und das hat verdammt lang gehalten, das hält ja immer noch. Ich kenne einige politische Parteien, die dem immer noch 100 Prozent zustimmen würden. Und sie sehen, der Feminismus des 20. Jahrhunderts hat viel erreicht, aber es braucht den Feminismus auch noch im 21. Jahrhundert. Um sagen zu können: es gibt die gleiche Verantwortung, die gleiche Teilhabe für Frauen. Eben nicht nur im Himmel, sondern auch im Hier und Jetzt auch.“

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„Martin Luther erinnert uns an das richtige Gespür für den Kairos, den richtigen Moment, die günstige Zeit. Im Anschluss an Gorbatschow wird oft der Satz zitiert: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und manche haben auch die Erfahrung gemacht, es kann auch zu früh sein, um den nächsten Schritt zu gehen, um eine Entscheidung zu treffen. Wir brauchen Gespür im Umgang mit der Zeit. Das galt auch damals als Luther nach Rom kam und noch einmal versucht hat, das Gespräch zu führen, damit Kirche sich verändere. Weil sie, wie Papst Franziskus gesagt hat, in einer Verfassung war, mit der man sich nicht zeigen konnte. Martin Luther hat es versucht, er ist enttäuscht zurückgefahren, und dann haben die Dinge ihren Lauf genommen. Das Gespür für den Kairos war in Rom nicht da.“

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„Recht hat er, der große Reformator Martin Luther. Man glaubt ja gar nicht, dass ein Mönch, der eigentlich nicht so ein klassischer Familienvater ist, sich mit jungen Leuten verbünden kann und auch deren Querköpfigkeit versteht. Und genau das hat er gemacht. Er hat sich hereingedacht, wahrscheinlich aus seiner Biographie heraus. Und hat dabei gedacht, lasst die mal, lasst die sich mal entfalten, kritisiert nicht an ihnen herum. Bringt sie nicht in geschlossene Flaschen unter, dass man sie gar nicht mehr sieht. Sondern lasst sie sich entfalten, lasst sie sich ruhig überlaufen. Wir werden hoffentlich mit ihnen lernen und unsere eigene Zukunft gestalten können. Ich stimme Martin Luther zu. Er hat ja wirklich kluge Sachen gesagt, neben all dem was er falsch gemacht hat. Sein Antisemitismus ist unerträglich, seine Feindseligkeit gegen den Bauernaufstand ist unerträglich. Aber trotzdem ist Luther eine große Gestalt.“

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„Wenn ich diesen Spruch von Luther kommentiere, dann kann ich ihn über große Strecken nachvollziehen. Fröhlichkeit heißt nicht Oberflächlichkeit, heißt nicht die Wirklichkeit auszublenden. Fröhlichkeit heißt, die Wirklichkeit und die Schöpfung im Blick darauf zu sehen, dass Gott sie erschaffen hat zum Guten. Und das könnte einem eine Grundfroheit geben. Also seid fröhlich im Herrn, ist ja auch ein ganz berühmtes Bibelwort. Vom Teufel versucht, da habe ich ein bisschen Schwierigkeiten. Luther hatte ja offensichtlich ein spezielles Verhältnis zum Teufel. Für mich ist er nicht so präsent wie für Luther. Und ich finde darin auch immer den Anschein von Bedrohlichkeit und Autoritarismus. Und deswegen habe ich mit dem Teufel nicht so viel im Sinn.“

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„Ich finde, der Spruch ist aktuell, aber gleichzeitig überholt. Warum? Er ist natürlich aktuell, weil viele Paare es so empfinden, dass die Kinder das größte Glück sind. Ich empfinde das auch so. Für meinen Mann und mich sind unsere zwei Kinder, meine Tochter und mein Sohn, das größte Glück. Aber sie bedeuten gleichzeitig auch großen Stress. Und der Spruch ist auch deshalb überholt, weil Kinder nicht zwingend in einer Ehe geboren werden müssen. Wir haben heute ganz unterschiedliche Lebensformen. Wir haben Paare mit oder ohne Trauschein. Wir haben viele getrennt Lebende, Alleinerziehende. Aber auch Patchwork- und Regenbogenfamilien. Und all diese Formen des Zusammenlebens können Kinder glücklich machen. Insofern stimmt der Spruch zum einem auch, aber zum anderen eben nicht.“

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„Das ist ein wichtiger Satz, der in die Religionsgeschichte gehört. Er handelt von der Unterscheidung zwischen Religion und Politik. Nicht von ihrer Trennung, aber von ihrer Unterscheidung. Wir leben in einem Land, in dem vernünftigerweise Kirche und Staat getrennt sind und wissen deshalb, dass Religion und Politik nicht eins sind, nicht vermengt werden dürfen, wie das in anderen Teilen der Welt ist, etwa in der islamischen Welt. Das ist ein großer Fortschritt gewesen, dass Luther hier ausdrückt, dass die Politik ein durchaus weltliches Geschäft ist. Was ja nicht heißt, das Pfaffen, also Pastoren und Priester und Christen, unpolitisch sein sollten. Aber sie müssen ihre religiösen Überzeugungen in politische Überzeugungen übersetzen, dann geht es.“

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„Da mag der ein oder andere ein wenig nachdenklich werden, dass da steht, sonderlich Christen. Luther weist darauf hin, dass im Christentum der Glaube verankert ist, dass wir in eine gute Zeit hineingehen. Dass das, was uns auch nach unserem Tod erwartet, eigentlich eine großartige Zeit sein kann. Wenn man sein Fröhlichsein verliert, verliert man eigentlich auch den Kontakt zu den Menschen. Und um es von der anderen Seite des Weinberges zu sagen, Papst Franziskus hat so schön darauf hingewiesen, dass wir eine fröhliche Kirche sein sollten. Und um auf Luther zurückzukehren, der Spruch korrespondiert ja ein Stücken mit dem etwas direkten aber auch richtigen Spruch, dass aus einem verzagten Arsch, nie ein optimistischer Furz kommt.“

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„Luther zeigt sich damit natürlich als unverbesserlicher Idealist. Ich würde mir tatsächlich wünschen, dass die Weisheit immer regiert. Aber genau deshalb haben wir eigentlich Demokratie und brauchen mehr Demokratie. Weil, wenn nicht tatsächlich demokratisch gewährleistet ist, dass die Menschen auch ihre Interessen einbringen, und das ist dann eben auch das, was man politisch unter Weisheit verstehen sollte, dann regieren mächtige Wirtschaftslobbys, dann werden Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg gefällt. Und dann ist es leider um den großen Anspruch, dass Politik Weisheit verkörpert oft sehr schlecht bestellt.“

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„Diese beiden Sätze sind die Thesen, die Martin Luther seiner Schrift 'Von der Freiheit eines Christenmenschen' voranstellt. Und wenn man diese beiden Sätze hört, dann denkt man erst einmal, die widersprechen sich doch, was von beiden gilt denn jetzt? Bin ich jetzt ein freier Herr oder bin ich jetzt ein Knecht? Und das ist eben genau das Entscheidende, dass es kein Widerspruch ist, sondern dass diese beiden Dinge untrennbar zusammen gehören. Dass ich weiß, das ich ohne Angst meinem Gewissen folgen kann. Auch öffentlich dafür einstehen kann, an was ich glaube. Und dass das aber nicht heißt, dass ich in meiner Unabhängigkeit mich nur mit mir selbst beschäftige und von anderen getrennt mich verstehe. Sondern, dass genau diese innere Freiheit die Grundlage dafür ist, dass ich mich für andere engagiere. Das ist das Freiheitsverständnis was wir heute brauchen.“

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„Eine vernünftige Lebensweise ist eben eine Lebensweise, die nicht nur aus der Bibel genommen wird, sondern auch aus der Philosophie, aus der Menschlichkeit. Und das freut mich, dass Martin Luther eben nicht nur biblisch gedacht hat, sondern auch philosophisch gedacht hat, also was entspricht den Menschen. Auch der Glaube muss mit der Vernunft verbunden werden, so wie Paulus ja auch sagt, der Christ soll die Werte der griechischen Philosophie erleben, das meint vernunftgemäß leben. Die Gefahr ist ja, dass man Gott so als Absoluten sieht. Er hat befohlen, und du musst das so tun. Wir müssen das auch verstehen, was in der Bibel steht. Glaube sucht nach Einsicht, und das ist wichtig. Einfach nur anzunehmen Gott hat das gesagt, du musst gehorchen, das ist zu wenig, das ist gegen unsere Vernunft.“

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„Martin Luther liebt die Bibel. Und wenn man solche Sprüche hört, dann bekommt man richtig Lust, selber noch einmal zu reiben. Und zwar nicht zu studieren, nicht intellektuell. Sondern er benutzte diese Bildsprache, weil es einfach genau so geht. Man muss reiben, man muss ein bisschen kneten, man muss denken, man darf auch mal darüber schlafen, man darf es auch mal vergessen. Also man kann sehr normale Dinge des Lebens an die Bibel herantragen. Die Bibel lohnt sich, und dank Martin Luther haben wir da auch wieder neue Zugänge. Da spielt es auch überhaupt keine Rolle, welcher Konfession er angehörte. Das ich heute katholisch bin, das ist egal. Das macht wahrscheinlich die Sache sogar noch einmal interessanter und bunter. Wenn nicht alle vom gleichen Liedblatt singen, sondern wirklich unterschiedlich theologisch an die Sache herangehen. Das hilft vielleicht auch einem Katholiken, die Augen noch weiter aufzumachen als sie sonst schon auf sind.“

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„Offengestanden finde ich, dass Martin Luther damit sehr, sehr recht hat. Wir erleben das doch oft, dass Menschen reden und reden und reden. Und am Ende fragst du dich, was hat er eigentlich überhaupt gesagt? Es ist eine Torheit, weil es einerseits die eigene Zeit verschwendet, aber auch die Zeit von Menschen, die dem zuhören müssen. Ich finde es ist die größte Kunst und auch die höchste Anstrengung mit wenigen Worten viel zusagen. Und für mich persönlich ist das oft so, dass kurze Texte, nehmen wir einen Radiobeitrag für eins dreißig, oder eine Predigt im Fernsehen die nicht länger als acht Minuten sein darf, für mich viel mehr Arbeit sind, als etwas, wo ich 60 Minuten Zeit hab zu sprechen. Die Zeit dann zu vergeuden und am Ende nichts zu sagen, stimme ich Martin Luther zu, das ist echt eine Torheit.“

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„Das Schöne an diesem Spruch ist, dass wir den gleichen Adressaten haben, den lieben Herrgott. Dann werden aber auch schon die Differenzen deutlich. Die Ehe ist etwas Natürliches, sie ist ja etwas Naturbedingtes. Mann und Frau, das Leben zu teilen, ist etwas in der Natur gegebenes. Aber die Ehe ist auch ein Geschenk Gottes, das würde ein Katholik sicher nie als Gegensatz sehen. Alles was uns natürlich gegeben ist, ist göttlich und in der Natur und in den Gegebenheiten kommt Gott uns entgegen. Deshalb kommen wir als Katholiken sogar zu dem Satz, dass für uns die Ehe ein Sakrament ist, ein heiliger Ort in dem Gott da ist. Da ist nicht nur ein Zweierbund, sondern ein Dreierbund mit Gott. Und die Menschen die sagen, wir heiraten, sagen, wir nehmen Gott in unsere Mitte und leben mit ihm und erzeugen für ihn. Ich würde also den Spruch weiterführen: Die Ehe ist etwas Natürliches und Naturbedingtes. Sie ist ein Geschenk Gottes und sie ist seine Gegenwart.“

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„Lass einen jeden so wir er ist. Das heißt auch, den anderen gelten lassen so wie er ist. Mit seinen Schrullen, mit seinen Macken, in seiner Andersartigkeit. In einer Gesellschaft der Vielfalt, in einer Gesellschaft, die durch Globalisierung, durch Migration bunter wird im Einwanderungsland Deutschland, in einem Land, in dem Osten und Westen, die alte DDR-Identität und das neue Deutschland ein großer Melting Pot sind, ist das ein Satz, der uns allen helfen kann, auf Begegnung zu setzen, auf Dialog und auf die alte Erfahrung, wenn ich den anderen gelten lasse, habe ich es einfacher, mich auch selbst gelten zu lassen. Und das ist im Prinzip eine schöne Übersetzung von dem alten Satz: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Das ist eine wunderbare tiefe christlich-jüdische Einsicht, die Martin Luther hier wunderbar auf den Punkt bringt.“

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„Es gibt ein Problem im Protestantismus. Martin Luther hat gesagt: Allein durch die Schrift. Lateinisch: sola scriptura. Wenn wir ganz ehrlich mit uns umgehen müssen wir sagen, wir kennen nur ein paar Teile der Schrift. Die, die wir gerade zitieren können. Ich hatte das große Glück, dass im Laufe meines Studiums ein katholischer Benediktinerabt zu mir gesagt hat, man muss im Studium drei Mal die Bibel lesen, ganz, von vorne bis hinten. Auch durch die Passagen die man für nicht interessant hält. Dann wird einem deutlich, es gibt ganz unterschiedliche Optionen, sehr unterschiedliche Theologien. Solches, was mir lebensgeschichtlich in der Jugend näher ist und anderes, was mir in der mittleren Lebensphase näher ist. Ein guter Bibelkenner ist ein guter Theologe. Die Bibel zu lesen macht alle Menschen zu guten Theologen, auch wenn sie nie studiert haben.“

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„Als ich diesen Spruch gelesen habe, habe ich dabei den Satz gedacht, es ist die Schule des Lebens. Im Islam ist es zum Beispiel so, wenn es zur Beerdigung kommt, dass man dem Toten gedenkt, auch in der Vorstellung, dass das Leben weitergeht. Man ehrt den Toten, man kondoliert, dann geht es aber wieder weiter. Und insofern ist der Tod immer eine Erinnerung, dass das Leben endlich ist, das wir eines Tages vor unserem Schöpfer stehen und Rechenschaft ablegen für das, was wir getan oder was wir unterlassen haben. Und gleichzeitig sät man hier in meinem oder unserem Leben für das Leben danach. Und der Tod ist insofern Erinnerung daran, dass das Leben endlich ist, aber gleichzeitig erinnert es mich daran, dass das Leben hier stattfindet und nicht irgendwo jenseits, woanders. Also schult es mich, hier im Leben zurechtzukommen und auszukommen.“

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„Luther argumentiert natürlich aus seiner Zeit. Damals gab es keine geregelte Ausbildung für Ärzte. Damals gab es auch keine geregelten Strukturen eines Gesundheitswesens so wie wir das heute kennen. Deswegen stimmt dieser Satz in der Zeit Luthers, aber heute nur noch bedingt. Heute ist man weder arm dran wenn man in der Hand der Ärzte ist, weil die Ärzte in Deutschland mit die am besten ausgebildeten Ärzte der Welt sind. Noch wird man arm, wenn man sich in die Hand der Ärzte begeben muss, weil wir ein Gesundheitswesen und ein Sozialversicherungssystem haben, das eigentlich jeden Menschen in diesem Land auffängt. Man muss in diesem Kontext auch die Krankheiten Luthers betrachten. In der damaligen Zeit wurde schlecht gegessen. Entweder gar nicht oder zu fett, immer im maximalen Wechsel. Dann waren die Zutaten zu dem Essen mit allen möglichen Bakterien verunreinigt. Und die Qualität der Köche ist auch nicht überliefert. Einen Michelin gab es zu Luthers Zeiten noch nicht. Kein Wunder also, dass damals viele Menschen wegen falscher Ernährung an Magen-Darmgebrechen und an Gicht litten. Auch das hat natürlich das Schreiben und Denken von Luther beeinflusst.“

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„Dieser Spruch trifft tatsächlich auf meinen beruflichen Alltag in der Rechtsmedizin zu. Denn ich sehe natürlich viele Todesfälle, die völlig unvorbereitet oder unerwartet auf denjenigen eintreffen. Der geht morgens aus dem Haus, verabschiedet sich von seiner Frau und kehrt nie zurück. Ich denke Luther hat genau diese Beobachtung gemacht, dass um ihn herum plötzlich Leute gestorben sind, er die nie wieder gesehen hat. Damals sind ja auch Menschen plötzlich verschwunden, weil sie ertrunken sind, da konnte keiner schwimmen. Insofern hat sich in den letzten 500 Jahren relativ wenig verändert, wenngleich die Medizin natürlich erhebliche Fortschritte gemacht hat. Aber viele werden plötzlich und viel zu früh aus dem Leben gerissen. Und deshalb kann ich das voll umfänglich als Rechtsmediziner unterschreiben, denn täglich warten auf uns mancherlei tödliche Krankheiten und Fälle.“

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„Ich habe vor einigen Monaten ein Buch veröffentlicht, das heißt: Die smarte Diktatur, wo ich den Versuch gemacht habe, die Zerstörung von Privatheit durch unterschiedliche Facetten dieser Digitalisierung der Welt darzustellen. Und es hat mir im gehobenen Feuilleton eine ganze Reihe von Titeln eingetragen, wie der James Last der kritischen Theorie und ähnliche. Es hat für mich dabei aber gar keine Möglichkeit gegeben, ein Gespräch darüber zu führen, ob ich denn möglicherweise Recht oder Unrecht habe. Und das finde besonders deshalb interessant, weil man aktuell den Rückzug der Demokratie oder auch der Rechtsstaatlichkeit bis nach Europa hinein beobachten kann. Wenn man dazu nämlich sagt, Leute, passt auf, hier geht gerade etwas verloren, dann begibt man sich genau in diese Position, dass einem die Leute gram werden. Ob das, was man vertritt, immer die Wahrheit ist, ist natürlich fraglich. Aber allein der Umstand, etwas für wahr zu halten und dafür einzutreten, ist in unserer ,Durchblickerkultur‘ offensichtlich schon etwas sehr Ärgerliches.“

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