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Trappeto-Solingen-Trappeto … und zurück

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Vor 60 Jahren unterzeichneten Deutschland und Italien ein Anwerbeabkommen. Danach sind ganze Dörfer ausgewandert, besonders Sizilianer verließen ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit. Aber die Einwohner von Trappeto, einem Dorf bei Palermo, blieben trotzdem zusammen. Die Trappetesi landeten fast allesamt in Solingen-Ohligs.
In Solingen produzierten sie u.a. Scheren, Messer und Klingen und waren bald voll integriert. Früher als halbseiden gefürchtet, sind die Sizilianer heute die Botschafter des "Dolce Vita". So ändern sich Vorurteile und Stereotype. Viele Trappetesi kehrten nach Italien zurück und brachten ihre Erinnerungen an Deutschland mit. Andere machen sich gerade zum zweiten Mal auf nach Solingen - die Krise in Italien ist schuld daran.
Michaela Böhm und Stephan Morgenstern sind mitgewandert und haben sowohl Solingen als auch Trappetto besucht.

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Sizilianer verließen in den 60er-Jahren ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit und verstreuten sich auf der ganzen Welt. Nicht aber die Einwohner von Trappeto, einem Dorf bei Palermo.
Die Trappetesi landeten fast allesamt in Solingen-Ohligs. Sie haben bei Bremshey den Knirps und den Servierwagen Dinett produziert. Und natürlich Scheren, Messer und Klingen. Solingen wurde zu ihrer zweiten Heimat.

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Mehr als 5.600 Italiener leben in Solingen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt Solingen damit an zweiter Stelle nach Wolfsburg und hat sogar München abgehängt.

Viele Italiener, die nach Solingen eingewandert sind und sich im Stadtteil Ohligs niedergelassen haben, stammen aus dem kleinen Ort Trappeto bei Palermo. Das Fischerdorf wurde mitten nach Solingen exportiert. Mitsamt der Sprache, Kultur und Tradition.

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„Ich fühle mich wie in Trappeto“

Solingen-Ohligs ist ein Klein-Trappeto. Man trifft die italienischen Landsleute in der Fußgängerzone.

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Der Erste, der aus Trappeto aus- und in Deutschland einwanderte, soll ein Friseur gewesen sein. Der Nächste ein Schuhmacher. „Komm her, hier gibt es Arbeit und du kannst erst mal bei mir wohnen.“ Dann kamen ein Onkel und der Cousin, die Nichte und der Schwager. Sie ließen sich dort nieder, wo bereits Verwandte oder Dorfbewohner lebten. Eine Kettenwanderung – von Trappeto nach Solingen.
Der Historiker Roberto Sala hat die Geschichte der italienischen Migration erforscht.

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Trappeto, der Ort der Sehnsucht

Roberto Sala, Historiker

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Ein halbes Jahrhundert lebt Lino Belfiore nun in Deutschland. Ein Grund zum Feiern! Nachbarn, Freunde und ehemalige Kollegen hat er auf die Terrasse seines ehemaligen Restaurants eingeladen. Lino Belfiore ist in Sizilien geboren, mit den Eltern nach Argentinien ausgewandert und nach Deutschland eingewandert. Heute lebt er ein halbes Jahr im sizilianischen Trappeto, das andere halbe Jahr in Haan bei Solingen.

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"Ich bin dageblieben"

50 Jahre Deutschland, das ist für Lino Belfiore ein Grund zum Feiern.

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Ninfa Francoforte kam mit 13 Jahren nach Deutschland. Ungern, wie sie sagt. Hier in Solingen hat sie Lino Belfiore kennengelernt, der wie sie aus Trappeto stammt. Ninfa Francoforte fühlt sich in Deutschland so zu Hause wie in Trappeto. Zweimal Heimat, das hat nicht jeder.

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Mal hier, mal da

Ninfa Francoforte will nicht für immer nach Trappeto zurück gehen. Mal hier, mal da, so ist es gut.

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Vom Fischerboot in die Fabrik nach Deutschland: Als Kind ist Pietro Russo mit seinem Vater zum Fischen ins Mittelmeer rausgefahren, mit 25 Jahren ist der Schiffsmechaniker nach Solingen ausgewandert und hat in der Fabrik gearbeitet. „Das war wie Gefängnis.“
Heute führt er mit seiner Frau Angela Leto das „Pasta fresca“. Die zwei sind eher eine Ausnahme. Denn nicht so oft, wie man glaubt, haben die Gastarbeiter den Sprung aus der Fabrik in die Selbstständigkeit geschafft. Im „Pasta fresca“ hängen an den Wänden – na klar – Fotos aus ihrer Heimat Trappeto.

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Trappeto im Herzen

Angela Leto und Pietro Russo haben sich in Trappeto kennengelernt und sind gemeinsam nach Solingen ausgewandert.

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Es geht Filippo Bologna wie vielen anderen italienischen Einwanderern. Sie fühlen sich zerrissen zwischen Deutschland und der Heimat. Filippo Bologna ist elf, als die Familie nach Deutschland einwandert. Als sein Vater Land erbt, gehen alle wieder zurück nach Trappeto. Doch der Traum platzt und sie lassen sich wieder in Solingen nieder. Die Geschichte wiederholt sich Jahre später: Nachdem die Schichtarbeit bei Olbo Filippo Bologna krank gemacht hat, versucht er sein Glück auf Sizilien. Doch der Traum platzt, fünf Jahre später lebt er wieder in Solingen.


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Irgendwoher muss das Geld kommen

Jahrelang hat Filippo Bologna bei der "Ohligser Leinen- und Baumwollweberei" (Olbo) gearbeitet. Die wurde 2006 geschlossen.

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Gläubige Sizilianer begehen jedes Jahr an Karfreitag in Solingen den Kreuzweg.

Aber nicht als Bilderzyklus oder mit Skulpturengruppen. Die Via Crucis ist ein lebendiger Kreuzweg und endet mit der Kreuzigung von Jesus. In der Hauptrolle: ein Solinger-Sizilianer.

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Kein Theater

Kreuzzug an Karfreitag

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Sie gelten als charmant und chaotisch, lebensfroh und laut, temperamentvoll und unzuverlässig. Es ist das Bild, das sich Deutsche von Italienern gemacht haben. Nichts als Stereotypen und positive Vorurteile, sagt der Historiker Roberto Sala von der Universität Basel. Ein Dolce-Vita-Mythos.


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Vom Fließband zum Restaurantbesitzer

Der Historiker Roberto Sala hat über italienische Migranten in Deutschland geforscht

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Es war die Zeit, die später als Wirtschaftswunder in die Geschichte eingehen sollte. Auch die Solinger Industrie schien sich in den 60er-Jahren unersättlich Arbeitskräfte einzuverleiben. Maschinenmesser und Mähwerke wurden hier produziert, Krups-Küchenmaschinen und Küchenwaagen, Industrietextilien, Reifen und natürlich Messer, Scheren und Klingen. Dafür ist die Klingenstadt bekannt, daher hat sie ihren Namen. Vom Boom der Industrie ist heute nicht mehr viel zu spüren. 

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Zwei Tage hatte die Reise mit dem Zug von Palermo gedauert. Nun standen die Italiener mit ihren Koffern am Bahnhof von Ohligs. Im Reisegepäck: ein Arbeitsvertrag der Firma Bremshey. Die hatte die jungen Männer direkt in Trappeto und Umgebung angeworben. Hunderte von Italienern, Männer wie Frauen, fertigten Auto- und Zugsitze, Auspuffrohre, den Taschenschirm Knirps und den Servierwagen Dinett. Die Solinger Industrie hatte händeringend Arbeitskräfte gesucht: je ungelernter, desto billiger.

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Mit dem Lasso eingefangen

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Vor mehr als 100 Jahren stammten weltweit zwei von drei Scheren und Messern aus Solingen.

In der Gesenkschmiede Hendrichs, die mit 33 Fallhämmern zu den größten Solinger Betrieben gehörte, wurden bis 1986 Scherenrohlinge hergestellt. Auch Italiener aus Trappeto waren hier beschäftigt.




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Das Geheimnis der Industrie

Aus der Gesenkschmiede wurde ein Industriemuseum

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Lange ging alles gut. Die Solinger Industrie brauchte Arbeitskräfte ohne Ende. Bis die Wirtschaftskrise in den 1980ern auch Solingen erwischte. Anders als in den Stahl- und Bergwerken im Ruhrgebiet verschwand die Industrie aber fast lautlos. 25.000 Arbeitsplätze gingen innerhalb von 30 Jahren in Solingen verloren. 

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Insolvent, kaputt, pleite

Wie sich die Industrie lautlos von Solingen verabschiedete

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Trappeto ist ein sizilianisches Dorf mit rund 3000 Einwohnern, nur eine Autostunde entfernt von Palermo. Früher lebten die Menschen dort vom Fischfang und arbeiteten in der Landwirtschaft. Heute sollen Sand, Strand und die Küste am Golfo di Castellammare  Touristen anlocken.

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Authentisch sizilianisch

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Montagfrüh am Hafen von Trappeto. Die Fischer legen mit ihren Booten an, umringt von Publikum; jeder will mal schauen, wie viel einer gefangen hat. Die älteren Männer treffen sich am Hafen, plaudern und vertreiben sich die Zeit. Wie Salvatore Arcabascio. Er hat 24 Jahre in Solingen gelebt und ist nur seiner Frau zuliebe nach Italien zurückgegangen. Für ihn bedeutet Deutschland auch Heimat. Auch wenn er bei der Arbeit nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat. Typisch für die Trappetesi ist seine erste Frage: Kommen Sie aus Deutschland?

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Die schwere Arbeit haben wir gemacht

Salvatore Arcabascio ist als 14-Jähriger nach Solingen gekommen und lebt heute in Mailand und Trappeto.

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In der Geburtsurkunde von Gaetano Perlongo steht Solingen/Germania. Das ist nicht ungewöhnlich für die zweite Generation der Immigranten, dass die Kinder im Auswanderungsland auf die Welt kamen. Perlongo wird mit acht Jahren nach Sizilien geschickt und wächst bei den Großeltern auf. Auch das ist oft passiert. Die Eltern blieben zum Arbeiten in Deutschland, die Kinder lebten bei den Großeltern. Perlongo studierte Physik, doch seine Leidenschaft gehört dem Wort. Der Essayist und Lyriker weiß viel über die Zeit, als die Trappetesi ihr Land in Richtung Deutschland verlassen mussten. Und er hat seine Eltern gefragt. Beide sind in den 60er Jahren emigriert, es war ein notwendiges Übel, erzählten sie ihrem Sohn.

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Bitterste Armut

Der Lyriker und Essayist Gaetano Perlongo ist in Solingen geboren und lebt in Trappeto

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In den 1950er-Jahren reichte der Lohn eines Landarbeiters in Süditalien kaum aus, seine Familie zu ernähren. Deshalb wanderten sie aus: Im Kopf das Ziel, schnell viel Geld zu verdienen, um in die Heimat zurückzukehren und ein Stück Land zu kaufen und ein Haus zu bauen. In Deutschland arbeiteten die Italiener wie besessen, sie machten Doppelschichten, Akkordarbeit und Überstunden. Doch manch einem fiel die Umstellung schwer. Das Wetter: nass, kalt, dunkel. Die Volkswagen-Fabrik: ein Moloch, riesig, laut.

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Tagelöhner

Die Historikerin Hedwig Richter hat die Geschichte der italienischen Migranten bei Volkswagen erforscht.

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Die Krise treibt sie aus Italien

Italiens Ex-Staatspräsident Napolitano sprach von einer nationalen Katastrophe: Fast jeder zweite junge Italiener hat heute keine Arbeit. Im Süden ist die Situation noch dramatischer als im Norden. Und wenn die Italiener und Italienerinnen doch einen Job finden, ist der prekär: befristet und schlecht bezahlt. Immer mehr denken als Auswandern.

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Viel schwerer als früher

Die Krise treibt Italiener aus ihrem Land. In Deutschland hoffen sie, Arbeit zu finden. Jede Woche kommen Neueinwanderer zu Giuseppina Zapparata von der Beratungsstelle „Epasa“ nach Solingen. Wo gibt es eine Schule für meine Kinder? Wo kann ich Arbeit finden? Die meisten stammen aus der Umgebung von Trappeto bei Palermo. Klar, in Solingen leben bereits Verwandte, die bei den ersten Schritten helfen. Allerdings wissen die Neueinwanderer oft nicht, was sie erwartet. Sie sind ein bisschen blauäugig, sagt die Beraterin.

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Selbst die Putzfrau soll Deutsch können

Giuseppina Zapparata von Epasa berät Neuankömmlinge

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„Ich kann mit 50 doch nicht meinen Eltern auf der Tasche liegen“, dachte sich Giovanni di Gaetano und kehrte vor kurzem nach Deutschland zurück. Das erste Mal, als er von Trappeto in Sizilien nach Solingen auswanderte, war er ein Jahr alt. Er hat in Italien studiert, Kinder italienischer Rückwanderer unterrichtet und Touristen durch Palermo und Trapani geführt. Jetzt fängt er noch mal von vorn an und verdingt sich bei Leiharbeitsfirmen.

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Mit 50 von vorn anfangen

Giovanni di Gaetano ist zum zweiten Mal nach Deutschland eingewandert.

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Als wir Mariella Monticciolo treffen, ist sie erst seit sieben Tagen in Deutschland. Ihr Mann war bereits ein halbes Jahr zuvor nach Solingen gekommen, um Arbeit zu suchen und eine Wohnung für die Familie zu finden. Bevor die Familie Monticciolo aus Trappeto ans Auswandern dachte, hat der Mann alles versucht, um in Italien Arbeit zu finden.

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In ihrer Reportage "Trappeto-Solingen-Trappeto … und zurück" zeichnet Michaela Böhm den Weg der Trappetesi nach. 

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